Camping im Wandel der Zeit: Vom einfachen Zelten zum mobilen Zuhause
Wenn ich mit unserem Wohnmobil auf einem Stellplatz stehe, der Kaffee dampft und Benji, Emma und Jamie es sich vor der Tür gemütlich gemacht haben, denke ich manchmal darüber nach, wie anders Camping früher ausgesehen haben muss.
Kein Frischwassertank. Kein Solarpanel. Keine Standheizung. Kein Kühlschrank, der uns zuverlässig durch den Tag bringt.
Stattdessen: ein Zelt, ein bisschen Ausrüstung, viel Improvisation – und vor allem die Sehnsucht, draußen zu sein.
Genau das finde ich an der Geschichte des Campings so spannend. Aus einer ziemlich einfachen Art, in der Natur zu übernachten, ist im Laufe der Jahrzehnte eine riesige Vielfalt entstanden. Vom kleinen Zelt bis zum komfortablen Wohnmobil, vom Dauercampingplatz bis zum Vanlife.
Also kommt mit auf eine kleine Zeitreise.
Wie alles begann: Camping in Deutschland
Die Wurzeln des Campings in Deutschland reichen bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. Naturromantik, Wandervogelbewegung und Wassersport sorgten dafür, dass Menschen ihre Freizeit zunehmend draußen verbrachten und auch dort übernachteten. Besonders Wanderer und Kanuten waren mit einfachen Zelten unterwegs.
In den 1920er-Jahren wurde daraus langsam eine organisiertere Freizeitbewegung. Campingclubs entstanden und auch die ersten Vorläufer der heutigen Wohnwagen wurden entwickelt.
Ein besonders wichtiger Name dabei ist Arist Dethleffs.
1931: Das erste „Wohnauto“
1931 konstruierte der Unternehmer Arist Dethleffs im Allgäu einen Anhänger, den er „Wohnauto“ nannte. Der Grund dafür war eigentlich ziemlich persönlich: Er wollte seine Frau Fridel auf seinen Geschäftsreisen dabeihaben und ihr gleichzeitig einen Platz zum Malen ermöglichen.
Aus dieser privaten Idee wurde der erste deutsche Caravan – und damit ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Caravanings.
Im selben Jahr eröffnete Jakob Berger in Köln-Rodenkirchen am Rhein einen Zeltplatz für Kanuten. Am 5. Mai 1931 standen dort die ersten Zelte. Aus der einfachen Wiese neben dem Bootshaus entwickelte sich der Campingplatz Berger, der heute als ältester Campingplatz Deutschlands gilt.
Schon irgendwie verrückt: 1931 entstanden damit gleich zwei Dinge, die wir heute ganz selbstverständlich mit Camping verbinden – der Wohnwagen und der Campingplatz.
Nach dem Krieg: Camping wird zum Massenphänomen
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Camping deutlich. Mit dem Wirtschaftswunder konnten sich immer mehr Menschen ein eigenes Auto und damit auch individuelle Urlaubsreisen leisten.
In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde Camping für viele Familien zu einer erschwinglichen Möglichkeit, Urlaub zu machen. Zelt, Klappstuhl, Gaskocher und ein bisschen Gepäck reichten oft schon aus.
Auch die Fahrzeuge wurden immer campingtauglicher. Der VW Bulli entwickelte sich zu einem echten Kultfahrzeug und wurde für viele zum mobilen Zuhause. Bereits 1960 waren in Deutschland mehr als 20.000 solcher rollenden Wochenendhäuser zugelassen – teilweise mit Küche, Wasserkanistern und elektrischem Licht.
Und dann kam immer mehr Komfort dazu.
In den 1970er-Jahren wurden Wohnmobile mit fest eingebautem Mobiliar, Kochstellen und eigenen Sanitärlösungen zunehmend wichtiger. Gleichzeitig verbesserten sich auch die Campingplätze: Stromanschlüsse, moderne Sanitäranlagen und warmes Wasser wurden immer selbstverständlicher.
Aus dem einfachen Übernachten draußen wurde Schritt für Schritt eine komfortable Form des Reisens.
Camping in Europa: Jeder ein bisschen anders
Auch außerhalb Deutschlands entwickelte sich Camping weiter – allerdings mit ganz unterschiedlichen regionalen Traditionen.
Skandinavien lockte mit seinen weiten Landschaften und der Nähe zur Natur. Frankreich wurde mit seinen Campingplätzen unter Pinien und an der Atlantik- oder Mittelmeerküste zu einem beliebten Reiseziel. Italien, Spanien, Kroatien und viele andere Länder entwickelten ihre ganz eigene Campingkultur.
Schon früh wurde dabei deutlich: Camping verbindet Menschen über Ländergrenzen hinweg.
1932 wurde die Fédération Internationale de Camping et de Caravanning, kurz FICC, gegründet. Bereits 1933 fand in Hampton Court in England das erste internationale FICC-Rallye statt. Camping wurde damit endgültig auch zu einer internationalen Gemeinschaft.
Heute ist diese Vielfalt größer denn je. Es gibt kleine, naturbelassene Plätze genauso wie riesige Ferienanlagen mit Schwimmbad, Wellnessbereich und kompletter Infrastruktur.
Und gleichzeitig geht die Entwicklung in eine andere Richtung: Nachhaltigkeit, Barrierearmut und ein bewusster Umgang mit Ressourcen werden für immer mehr Campingplätze und Camper wichtig.
Camping verändert sich also weiter – und das ist eigentlich genau das Schöne daran.
Camping weltweit: Vom Abenteuer zum Lifestyle
Wenn man noch weiter über Europa hinausblickt, wird es besonders spannend.
Menschen haben natürlich schon lange vor dem modernen Camping draußen übernachtet – allerdings aus ganz anderen Gründen. Als Freizeitbeschäftigung entwickelte sich das Camping vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Großbritannien und Nordamerika weiter.
In den USA wird häufig das Jahr 1910 als Meilenstein genannt. Damals präsentierte Pierce-Arrow den Touring Landau, ein Fahrzeug, das häufig als eines der ersten amerikanischen Reisefahrzeuge beziehungsweise frühen RVs bezeichnet wird. Es verfügte unter anderem über eine klappbare Sitzgelegenheit und ein Waschbecken.
Der große Durchbruch des Autocampings kam jedoch erst später. Mit der zunehmenden Verbreitung des Automobils wurde es für immer mehr Menschen möglich, unabhängig zu reisen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich daraus in den USA eine riesige RV-Kultur. Marken wie Airstream und Winnebago wurden zu bekannten Symbolen für das Reisen auf vier Rädern.
Und damit schließt sich irgendwie der Kreis: Camping war nicht mehr nur eine Übernachtungsmöglichkeit – es wurde zu einer eigenen Art zu leben und zu reisen.
Was zählt heute eigentlich als Camping?
Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis aus der Geschichte des Campings:
Es gibt nicht die eine richtige Art zu campen.
Heute gehören ganz unterschiedliche Formen dazu:
Zelten – die klassische und ursprüngliche Variante
Wohnwagen – seit den 1930er-Jahren ein fester Bestandteil der Campingwelt
Wohnmobil – flexibel, mobil und mit dem eigenen Zuhause an Bord
Dauercamping – der feste Stellplatz als zweites Zuhause
Vanlife – unterwegs mit einem kompakten Fahrzeug und möglichst wenig Ballast
Glamping – Camping mit deutlich mehr Komfort
Wildcamping bzw. freies Übernachten – je nach Land und Region rechtlich sehr unterschiedlich geregelt
Barrierearmes Camping – Reisen, bei denen unterschiedliche körperliche Bedürfnisse berücksichtigt werden
Dachzelt-Camping – Schlafen auf dem Autodach und damit eine interessante Mischung aus Auto- und Zelturlaub
Und gerade das Dachzelt hat eine überraschend spannende Geschichte.
Das Dachzelt: Eine alte Idee erlebt ein Comeback
Dachzelte sind nämlich keineswegs eine Erfindung der letzten Jahre.
Bereits in den 1930er-Jahren gab es erste Konstruktionen für das Autodach. Besonders bekannt wurde später ein Modell aus der DDR: Der Schlosser Gerhard Müller aus Limbach-Oberfrohna entwickelte 1976 ein Autodachzelt, das speziell für den Trabant sehr beliebt wurde.
Die Nachfrage war so groß, dass Müller mit seiner kleinen Produktion kaum hinterherkam. Über einen Zeitraum von rund zehn Jahren entstanden etwa 1.800 dieser Dachzelte.
Heute erlebt das Dachzelt wieder eine echte Renaissance.
Kein Wunder: Man braucht keinen großen Wohnwagen und kein komplettes Wohnmobil. Das Zelt ist immer dabei, der Aufbau geht vergleichsweise schnell und man bleibt bei der Wahl des Fahrzeugs flexibel.
Schon faszinierend, wie sich manche Ideen wiederholen.
Camping passt sich dem Leben an
Wenn ich mir diese Entwicklung anschaue, finde ich einen Gedanken besonders schön:
Camping hat sich immer an die Menschen angepasst – und nicht umgekehrt.
Mal ging es darum, möglichst einfach unterwegs zu sein. Dann wurde Komfort wichtiger. Für andere bedeutet Camping heute Minimalismus und Freiheit, für wieder andere ein fester Stellplatz mit Vorzelt und Gartenzwerg.
Und manchmal ist es eben ein Wohnmobil, drei kleine Hunde und die Frage, wo eigentlich der Kaffee geblieben ist.
Für mich persönlich gehört genau diese Mischung zum Camping dazu.
Wir lieben es, unterwegs zu sein, aber wir müssen dabei nicht auf jeden Komfort verzichten. Unser Wohnmobil ist schließlich nicht nur ein Fahrzeug. Es ist unser kleines Zuhause auf Rädern – mit Küche, Bett, Stauraum und drei ziemlich wichtigen Mitreisenden.
Und genau deshalb finde ich die Geschichte des Campings so spannend.
Sie zeigt, wie aus dem einfachen Wunsch, draußen zu schlafen, eine der vielfältigsten Arten zu reisen geworden ist.
Vom Zelt zum Wohnwagen.
Vom Wohnwagen zum Wohnmobil.
Vom einfachen Stellplatz zum zweiten Zuhause.
Und wer weiß, was als Nächstes kommt?
Wie campt ihr am liebsten?
Ganz klassisch im Zelt, gemütlich im Wohnwagen, mit dem Van oder – so wie wir – im Wohnmobil?
Schreibt es uns gerne in die Kommentare.
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