Wintercamping gehört zu unseren Lieblingsthemen hier auf WoMo_Tastic. Wenn es draußen frostig wird, gibt es schließlich kaum etwas Schöneres, als nach einem Spaziergang ins warme Wohnmobil zurückzukehren.
Aber gerade im Winter ist eine zuverlässige Gasversorgung besonders wichtig.
Denn was im Sommer problemlos funktioniert, kann bei Minusgraden plötzlich Schwierigkeiten machen.
Warum ist Propan besser für den Winter geeignet? Was passiert, wenn die Gasflasche oder der Druckregler vereist? Und wie verhindert ihr, dass nachts plötzlich die Heizung ausgeht?
Genau darum geht es heute.
1. Warum macht Kälte der Gasversorgung zu schaffen?
Flüssiggas wird in Gasflaschen unter Druck gespeichert. Ein großer Teil des Inhalts liegt dabei in flüssiger Form vor.
Wenn ein Gasgerät betrieben wird, verdampft Flüssiggas in der Flasche. Anschließend wird das gasförmige Gas über den Druckregler zur Anlage geleitet.
Für diesen Verdampfungsvorgang wird Wärme benötigt, die der Umgebung entzogen wird.
Je mehr Gas gleichzeitig verbraucht wird, desto mehr Wärme muss nachgeliefert werden.
Bei niedrigen Außentemperaturen und hoher Gasentnahme kann das zum Problem werden.
Die Gasflasche kühlt zusätzlich ab und unter Umständen bildet sich außen sogar Reif oder Eis.
Wichtig: Eine vereiste Gasflasche ist deshalb nicht automatisch leer. Häufig kann das Gas lediglich nicht mehr schnell genug verdampfen.
2. Propan oder Butan – welches Gas eignet sich im Winter?
Diesen Unterschied haben wir bereits in Teil 1 unserer Gas-Serie kennengelernt.
Für das Wintercamping ist er besonders wichtig.
Propan
Propan hat einen Siedepunkt von ungefähr minus 42 °C.
Das bedeutet, dass es auch bei deutlich niedrigeren Außentemperaturen noch ausreichend verdampfen kann, sofern die Anlage richtig ausgelegt ist.
Deshalb eignet sich Propan besonders gut für den Winterbetrieb.
Butan
Butan hat dagegen einen Siedepunkt von ungefähr minus 0,5 °C.
Schon bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kann die Gasentnahme deshalb erheblich eingeschränkt sein.
Ist ein hoher Butananteil in der Flasche enthalten, kann es passieren, dass die Heizung nicht mehr zuverlässig funktioniert, obwohl sich noch Flüssiggas in der Flasche befindet.
Was bedeutet das für uns Camper?
In Deutschland enthalten handelsübliche Propanflaschen überwiegend Propan und sind damit grundsätzlich für das Wintercamping geeignet.
Im europäischen Ausland können die Gasgemische allerdings unterschiedlich zusammengesetzt sein.
Deshalb solltet ihr vor allem bei längeren Winterreisen darauf achten, welches Gas ihr tatsächlich verwendet.
Unser Praxistipp: Verlasst euch nicht allein auf die Bezeichnung „Flüssiggas“. Fragt beim Händler nach dem Propananteil, wenn ihr bei Minusgraden unterwegs sein möchtet.
3. Wenn die Gasflasche vereist
Eine vereiste Gasflasche sieht zunächst beunruhigend aus.
Allerdings entsteht die Eisbildung nicht unbedingt durch einen technischen Defekt.
Bei hoher Gasentnahme kann die Verdampfung der Flüssiggasmenge mehr Wärme benötigen, als aus der Umgebung nachgeliefert werden kann.
Die Flasche kühlt dabei stark ab.
Woran erkennt ihr das Problem?
Typische Anzeichen können sein:
Reif oder Eis an der Außenseite der Gasflasche
Nachlassende Heizleistung
Unregelmäßiger Betrieb von Gasgeräten
Gasversorgung setzt zeitweise aus
Allerdings können solche Symptome auch andere Ursachen haben.
Was könnt ihr dagegen tun?
Vermeidet eine übermäßig hohe Gasentnahme aus einer einzelnen Flasche.
Eine größere Flasche oder eine fachgerecht ausgelegte Mehrflaschenanlage kann bei entsprechend hohem Gasbedarf sinnvoll sein.
Auch eine geeignete Reserveflasche ist beim Wintercamping hilfreich.
Ganz wichtig:
Versucht niemals, eine vereiste Gasflasche mit offenem Feuer, Heizstrahlern oder improvisierten Heizmatten aufzuwärmen.
Auch die Lüftungsöffnungen des Gaskastens dürfen nicht verschlossen werden.
Falls die Anlage wiederholt vereist oder die Gasversorgung ausfällt, sollte ein Fachbetrieb die Dimensionierung und den Zustand der Gasanlage überprüfen.
4. Wenn der Gasdruckregler vereist
Neben der Gasflasche kann auch der Druckregler Probleme verursachen.
Der Druckregler reduziert den Gasdruck auf den für die Wohnmobilanlage vorgesehenen Betriebsdruck, meist 30 mbar bei neueren Fahrzeugen.
Bei diesem Vorgang kann sich das Gas zusätzlich abkühlen.
Enthält das Flüssiggas Feuchtigkeit, können sich insbesondere bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kleine Eiskristalle bilden.
Diese können den Regler blockieren.
Das Ergebnis: Die Gasversorgung lässt nach oder wird unterbrochen.
Was hilft gegen Reglervereisung?
Für bestimmte Druckregler gibt es spezielle elektrische Reglerheizungen.
Ein bekanntes Beispiel ist die Truma EisEx.
Sie erwärmt gezielt den dafür vorgesehenen Bereich des Druckreglers und kann eine Vereisung verhindern.
Allerdings ist nicht jede Reglerheizung mit jedem Druckregler kompatibel.
Deshalb solltet ihr euch bei der Auswahl an die Herstellervorgaben halten.
Auch der Einbau muss fachgerecht erfolgen.
Wichtig: Eine einfache Schutzhülle verhindert nicht automatisch das Einfrieren des Reglers.
Wer regelmäßig bei winterlichen Temperaturen campt, sollte sich über eine geeignete Reglerheizung informieren.
5. Wie zuverlässig sind Füllstandsanzeigen im Winter?
Gerade im Winter möchten wir natürlich wissen, wie viel Gas noch vorhanden ist.
Doch nicht jede Anzeige liefert einen zuverlässigen Wert.
Manche einfachen Anzeigen versuchen, den Füllstand über Druckverhältnisse zu bestimmen.
Das ist bei Flüssiggas problematisch.
Solange sich noch flüssiges Gas in der Flasche befindet, hängt der Druck nämlich stark von der Temperatur und der Gaszusammensetzung ab.
Eine reine Druckanzeige kann deshalb keine verlässliche Aussage über die verbleibende Gasmenge treffen.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Wiegen der Gasflasche
Bei einer klassischen Wechselflasche lässt sich der Inhalt recht zuverlässig durch Wiegen bestimmen.
Dazu zieht ihr das auf der Flasche angegebene Leergewicht vom aktuellen Gesamtgewicht ab.
Ultraschallmessgeräte
Einige Geräte ermitteln den Füllstand mithilfe von Ultraschall.
Dabei hängt die Genauigkeit unter anderem vom Flaschentyp und der korrekten Anwendung ab.
Wiegesysteme und Sensoren
Andere Systeme erfassen das Gewicht der Flasche dauerhaft und können den Füllstand beispielsweise an ein Smartphone übertragen.
Unser Tipp: Im Winter ist es sinnvoll, den tatsächlichen Verbrauch zusätzlich im Blick zu behalten.
So merkt ihr frühzeitig, wenn eure Gasreserve knapp wird.
6. Wie viel Gas verbraucht eine Heizung im Winter?
Der Gasverbrauch kann im Winter erheblich steigen.
Wie schnell eine Flasche leer wird, hängt unter anderem von diesen Faktoren ab:
Außentemperatur
Größe und Isolierung des Wohnmobils
Eingestellte Raumtemperatur
Heizungsmodell und Heizleistung
Häufigkeit des Lüftens
Warmwasserverbrauch
Zusätzliche Gasgeräte
Während eine Gasflasche im Sommer teilweise mehrere Wochen reichen kann, sieht das bei dauerhaftem Heizbetrieb ganz anders aus.
Bei starkem Frost und hoher Heizleistung kann eine 11-kg-Gasflasche bereits nach wenigen Tagen leer sein.
Unsere Erfahrungen beim Wintercamping
Auch bei uns macht sich der Unterschied zwischen Sommer und Winter deutlich bemerkbar.
Wenn wir im Wohnmobil dauerhaft heizen müssen, rechnen wir bei entsprechend kalten Temperaturen mit ungefähr drei Tagen pro 11-kg-Gasflasche.
Natürlich ist das nur unser Erfahrungswert.
Andere Wohnmobile können je nach Ausstattung und Nutzung deutlich mehr oder weniger Gas benötigen.
Deshalb planen wir beim Wintercamping lieber großzügig.
Denn nachts ohne Heizung aufzuwachen, möchte schließlich niemand.
7. Zwei Gasflaschen und eine Umschaltautomatik
Eine praktische Ergänzung beim Wintercamping ist eine Zweiflaschenanlage mit automatischer Umschaltung.
Dabei wird zunächst Gas aus der Betriebsflasche entnommen.
Ist diese leer beziehungsweise fällt ihr Versorgungsdruck entsprechend ab, kann eine geeignete Umschaltanlage automatisch auf die Reserveflasche wechseln.
Dadurch kann die Heizung weiterlaufen, ohne dass ihr mitten in der Nacht eine Gasflasche wechseln müsst.
Was müsst ihr beachten?
Die automatische Umschaltung setzt eine dafür geeignete und korrekt installierte Anlage voraus.
Beide Flaschen müssen ordnungsgemäß angeschlossen sein.
Außerdem sollte regelmäßig überprüft werden, welche Flasche gerade verwendet wird.
Denn eine automatische Umschaltung bedeutet nicht, dass euch niemals das Gas ausgehen kann.
Sind beide Flaschen leer, hilft auch die beste Technik nicht weiter.
Unser Tipp: Kontrolliert den Füllstand regelmäßig und plant rechtzeitig den nächsten Flaschentausch ein.
8. Gasanlage bei längerer Winterpause
Nicht jeder nutzt sein Wohnmobil während der kalten Jahreszeit.
Wenn das Fahrzeug für mehrere Wochen oder Monate abgestellt wird, solltet ihr auch die Gasanlage entsprechend vorbereiten.
Das ist wichtig:
Gasgeräte vollständig ausschalten.
Gasflaschenventile schließen.
Gasflaschen ordnungsgemäß gesichert im dafür vorgesehenen Gaskasten belassen, sofern dies zulässig ist.
Lüftungsöffnungen im Gaskasten freihalten.
Vor der nächsten Nutzung Schläuche, Anschlüsse und sichtbare Bauteile auf Beschädigungen kontrollieren.
Vorgeschriebene Prüffristen der Gasanlage beachten.
Ein pauschaler Ausbau des Druckreglers für die Winterpause ist normalerweise nicht notwendig.
Entscheidend sind die Angaben des jeweiligen Herstellers.
Wer sein Wohnmobil in einer Halle oder auf einem gemieteten Stellplatz abstellt, sollte außerdem die dort geltenden Regeln zur Lagerung von Gasflaschen beachten.
Wichtig: Auch während der Winterpause dürfen Gasflaschen nicht unsachgemäß gelagert werden.
9. Unsere Checkliste für Gas im Winter
☐ Vor Reisebeginn ausreichend Gasreserve einplanen.
☐ Auf einen geeigneten Propananteil achten.
☐ Gasflaschen und Anschlüsse auf sichtbare Schäden kontrollieren.
☐ Prüfen, ob eine geeignete Reglerheizung vorhanden oder sinnvoll ist.
☐ Gasfüllstand regelmäßig kontrollieren.
☐ Bei hoher Gasentnahme auf mögliche Vereisung achten.
☐ Lüftungsöffnungen des Gaskastens freihalten.
☐ Reserveflasche rechtzeitig tauschen.
☐ Bei einer Umschaltautomatik den Betriebszustand regelmäßig kontrollieren.
☐ Vor der Reise sicherstellen, dass die vorgeschriebene Gasprüfung gültig ist.
☐ Für einen möglichen Heizungsausfall einen sicheren Notfallplan haben.
10. Passendes Zubehör für mehr Sicherheit im Wohnmobil
Ob Schlauchbruchsicherungen, Gaswarnmelder oder Kohlenmonoxidmelder (CO-Melder) – einige Sicherheitsprodukte können den Umgang mit Gas im Wohnmobil sinnvoll ergänzen.
Entsprechende Produkte findet ihr in meiner Ideenliste zur Gassicherheit in der WoMo_Tastic Amazon Storefront.
Werbung | Affiliate-Links: Wenn ihr über meine Links etwas kauft, erhalte ich möglicherweise eine kleine Provision. Für euch entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten.
Wichtig: Achtet bei der Auswahl darauf, dass die Produkte für den Einsatz im Wohnmobil geeignet sind. Insbesondere bei Gaswarnmeldern und CO-Meldern handelt es sich um unterschiedliche Geräte. Ein CO₂-Melder misst Kohlendioxid und ist kein Ersatz für einen CO-Melder, der vor gefährlichem Kohlenmonoxid warnt.
11. Camping mit Handicap: Eine zuverlässige Heizung ist besonders wichtig
Für uns hat das Wintercamping eine zusätzliche Bedeutung.
Wenn jemand gesundheitlich eingeschränkt ist, kann ein Heizungsausfall deutlich mehr als nur unangenehm sein.
Gerade bei erhöhter Kälteempfindlichkeit oder Atemwegsproblemen möchten wir uns darauf verlassen können, dass es im Wohnmobil warm bleibt.
Deshalb gehört die Gasversorgung für uns zu den wichtigsten Punkten bei der Wintervorbereitung.
Wir überlegen vor jeder Reise, wie viel Gas wir voraussichtlich benötigen und wo wir gegebenenfalls eine Flasche tauschen können.
Auch eine ausreichende Reserve ist uns wichtig.
Denn wenn mitten in einer kalten Nacht das Gas ausgeht, bedeutet das nicht nur, dass jemand eine neue Flasche anschließen muss.
Es entsteht zusätzlicher Stress, und genau den möchten wir möglichst vermeiden.
Eine geeignete Umschaltautomatik wäre deshalb für unsere Reisegewohnheiten eine interessante Komfort- und Sicherheitsinvestition.
Sie ersetzt zwar nicht die regelmäßige Kontrolle, kann aber verhindern, dass wir wegen einer einzelnen leeren Flasche nachts sofort handeln müssen.
Für uns gilt: Gute Vorbereitung ist gerade im Winter ein wichtiger Teil des barrierearmen Campings.
Fazit: Mit der richtigen Gasversorgung sicher durch den Winter
Gas und Kälte sind keine grundsätzlich problematische Kombination.
Entscheidend ist, dass ihr die Eigenschaften des verwendeten Flüssiggases kennt und eure Anlage für den Winterbetrieb geeignet ist.
Propan ist bei niedrigen Temperaturen klar im Vorteil.
Bei hohem Gasverbrauch muss außerdem ausreichend Gas verdampfen können, ohne dass die Flasche zu stark auskühlt.
Ein geeigneter Vereisungsschutz für den Druckregler und eine zuverlässig geplante Gasreserve können den Winterbetrieb zusätzlich erleichtern.
Wer seine Anlage regelmäßig kontrolliert und mögliche Engpässe frühzeitig erkennt, kann das Wintercamping deutlich entspannter genießen.
Denn am schönsten ist es schließlich, wenn draußen der Frost glitzert und drinnen die Heizung zuverlässig läuft.
Im nächsten Teil unserer Gas-Serie
Gas und Sicherheit beim Camping mit Handicap
Zum Abschluss unserer Serie beschäftigen wir uns mit der Frage, wie sich die Gasversorgung im Wohnmobil möglichst sicher und zugänglich gestalten lässt.
Dabei geht es unter anderem um die Erreichbarkeit des Gaskastens, klare Zuständigkeiten und sichere Handlungsabläufe im Notfall.
Jetzt seid ihr dran!
Habt ihr beim Wintercamping schon einmal Probleme mit einer vereisten Gasflasche oder einem eingefrorenen Druckregler erlebt?
Wie sorgt ihr dafür, dass euch nachts nicht plötzlich das Gas ausgeht?
Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare!
Wichtiger Sicherheitshinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Fachberatung. Veränderungen an der Gasanlage, der Einbau von Sicherheitseinrichtungen sowie die Prüfung und Wartung dürfen nur entsprechend den geltenden technischen Regeln und Herstellervorgaben erfolgen.