Camping im Herbst und Winter – meine Erfahrungen vom Sommercamper zum Wintercamper
Wintercamping hatte ich lange überhaupt nicht auf dem Schirm. Erst mit meinem ganzjährigen Dauerstellplatz wurde aus dem Sommercamper plötzlich ein Wintercamper – und damit kamen ganz neue Fragen: Wie schützt man Wohnwagen und Vorzelt vor Frost und Feuchtigkeit? Was sollte man beim Wintercamping wirklich beachten? Und was habe ich aus meinem ersten Winter gelernt? In diesem Beitrag erzähle ich von meinen Erfahrungen, meinen Fehlern und den Lösungen, die sich für mich im Laufe der Jahre bewährt haben.
Ich war lange Zeit zu 99 Prozent Sommercamperin.
Das liegt vor allem daran, dass ich es von meinen Eltern nicht anders kannte bzw. wir nur begrenzt im Winter mit dem Wohnwagen unterwegs waren. Camping bedeutete für mich: warme Temperaturen, lange Tage, draußen sitzen und möglichst viel Zeit im Freien verbringen.
Wintercamping war deshalb lange eher eine theoretische Angelegenheit.
Das änderte sich, als ich einen ganzjährig nutzbaren Dauerstellplatz gemietet habe. Plötzlich stellte sich nicht mehr nur die Frage, wie schön ein Herbst- oder Winterwochenende beim Camping sein kann, sondern ganz praktisch:
Was muss ich eigentlich beachten, damit Wohnwagen und Vorzelt gut durch die kalte Jahreszeit kommen?
Zum Glück standen mir meine Schwester und mein Schwager mit ihren Erfahrungen zur Seite. Sie hatten ihren Wohnwagen schon länger auf demselben Campingplatz stehen und wussten deshalb ziemlich genau, worauf es ankommt.
Und trotzdem musste ich meine eigenen Erfahrungen machen. Manche davon waren angenehm – andere eher eine teure Lehrstunde.
Wintercamping ist nicht gleich Wintercamping
Wenn man über Wintercamping spricht, lohnt es sich meiner Meinung nach, zunächst zwischen Reisecamping und Dauercamping zu unterscheiden.
Denn die Voraussetzungen können sehr unterschiedlich sein.
Reisecamper
Wer mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs ist, hat meistens ganz andere Anforderungen.
Ein Wintervorzelt ist häufig deutlich kleiner als ein normales Ganzjahres- oder Dauervorzelt. Es dient vor allem als geschützter Bereich für Schuhe, Skier, nasse Kleidung oder andere Dinge, die man nicht unbedingt im Wohnwagen haben möchte.
Je nach Ausstattung kann man dort natürlich auch einmal gemütlich sitzen. Ein zusätzlich beheiztes Vorzelt ist beim klassischen Reisecamping aber eher nicht der Normalfall.
Dafür gibt es spezielle Wintervorzelte mit entsprechend stabilen Gestängen, die auch mit Schnee besser zurechtkommen.
Dauercamper
Beim Dauercamping sieht die Sache ganz anders aus.
Wenn der Wohnwagen dauerhaft auf dem Platz steht, kann das Vorzelt zu einem richtigen zusätzlichen Wohnraum werden. Küche, Esstisch, Sofa, Schränke und vieles mehr finden dort Platz.
Manche Dauercamper heizen diesen Bereich sogar zusätzlich.
Es gibt allerdings auch Dauercamper, die bewusst ein kleineres Wintervorzelt verwenden, beispielsweise weil sie weniger Platz benötigen oder das Vorzelt hauptsächlich als geschützten Bereich für Lagerung und Aufenthalt nutzen.
Es gibt also nicht die eine richtige Lösung. Entscheidend ist, wie man seinen Wohnwagen nutzt und welche Anforderungen man an sein Vorzelt hat.
Mein erstes Winterjahr – und mein erstes Lehrgeld
Mein erstes Winterjahr auf dem Dauerstellplatz begann mit einem ganz normalen Ganzjahresvorzelt.
Es war kein festes Vorzelt und ursprünglich auch nicht speziell für extreme Winterbedingungen ausgelegt.
Wir hatten zwar ein Stahlgestänge und zusätzliche Wintergestänge sowie entsprechende Abstützungen. Mein Schwager baute zusätzlich eine Konstruktion aus Holzbalken, um das Vorzelt stabiler zu machen.
Bei manchen Campern sieht man im Winter auch eine andere Lösung: Die vordere Plane wird entfernt, sodass das Vorzelt nach vorne offen bleibt. Das hat unter anderem den Vorteil, dass sich deutlich weniger Kondenswasser sammelt.
Das Problem ist allerdings: Sobald man die Front und die Seiten komplett schließt, verändert sich die Situation deutlich.
Und genau das sollte ich noch sehr deutlich kennenlernen.
Wintervorzelt oder großes Dauervorzelt?
Wer nur gelegentlich im Winter unterwegs ist, kommt mit einem kleinen Wintervorzelt oft gut zurecht.
Es schützt den Eingangsbereich, bietet Platz für Schuhe und Winterausrüstung und schafft einen kleinen Puffer zwischen draußen und dem warmen Wohnwagen.
Beim Dauercamping kann ein großes Ganzjahresvorzelt dagegen sehr viel mehr sein.
Bei mir war es genau das. Das Vorzelt wurde mit der Zeit immer stärker zu einem zusätzlichen Wohnbereich und entsprechend wichtig wurde auch die Frage, wie man es im Winter sinnvoll nutzt.
Ein großes Vorzelt bedeutet aber gleichzeitig mehr Fläche, mehr Raum zum Beheizen und mehr Möglichkeiten für Feuchtigkeit und Kondenswasser.
Gerade das sollte man bei der Planung nicht unterschätzen.
Kondenswasser im Winter – eine Erfahrung, die ich nicht noch einmal machen möchte
Warum sich im Winter so viel Feuchtigkeit sammelt
Mein erstes Winterjahr hat mir sehr eindrucksvoll gezeigt, was passiert, wenn man ein großes Vorzelt im Winter einfach komplett schließt und dabei die Feuchtigkeit unterschätzt.
Warme Luft trifft auf kalte Flächen – und schon entsteht Kondenswasser.
Das klingt zunächst harmlos.
Ist es aber nicht.
Bei mir wurde das Vorzelt irgendwann zu einer regelrechten Tropfsteinhöhle.
Ich hatte draußen unter anderem Schränke und eine Mikrowelle stehen. Die Feuchtigkeit setzte sich überall fest. Am Ende hatte ich nicht nur jede Menge Wasser, sondern auch Schimmel und einen unangenehmen Geruch.
Das war definitiv mein persönliches Lehrgeld.
Lüften ist unerlässlich
Wenn ein Vorzelt im Winter komplett geschlossen wird, ist regelmäßiges Lüften deshalb besonders wichtig.
Das gilt natürlich vor allem dann, wenn sich dort Möbel, Schränke oder andere Gegenstände befinden.
Ein Luftentfeuchter kann dabei unterstützen, aber er ersetzt meiner Erfahrung nach nicht das regelmäßige Lüften.
Und genau hier liegt beim Dauercamping ein weiterer Punkt: Wer seinen Wohnwagen und sein Vorzelt nicht regelmäßig besuchen kann, muss sich überlegen, ob eine komplett geschlossene und beheizte Vorzeltlösung wirklich die passende Variante ist.
Was ich beim Vorzelt später verändert habe
Nach meinem ersten Winter habe ich einiges verändert.
Ein richtiger Boden
Ein wichtiger Punkt war für mich ein vernünftiger Boden.
Heute habe ich einen Holzboden, auf dem PVC liegt. Im Winter kommen zusätzlich Läufer darauf.
Ein Boden allein macht das Vorzelt natürlich noch nicht dicht. Wenn man den Bereich beheizen möchte, muss auch überlegt werden, wie der Übergang zwischen Vorzelt und Boden gelöst wird.
Was für mich funktioniert, muss dabei nicht automatisch die richtige Lösung für jeden anderen Camper sein.
Ein Vorzelthimmel gegen die Feuchtigkeit
Eine weitere wichtige Veränderung war der sogenannte Vorzelthimmel.
Früher habe ich dafür ein Material aus dem Baubereich verwendet, das über das Dachgestänge gelegt wurde. Es konnte Feuchtigkeit aufnehmen und diese nach und nach wieder abgeben. Bei mir hat das erstaunlich gut funktioniert und es kam dabei nicht zu Schimmel.
Heute gibt es dafür fertige Vorzelthimmel.
Der Himmel kann dabei helfen, die Kondenswasserproblematik zu reduzieren. Ganz ohne Lüften funktioniert es aber auch damit nicht.
Das Vorzelt wurde bei mir nach und nach stabiler
Mit der Zeit habe ich mein Vorzelt immer weiter angepasst.
Mein Schwager hat eine Konstruktion aus Holzbalken eingebaut. Dadurch wurde das Vorzelt deutlich stabiler. Gleichzeitig konnte ich dadurch später auch eine zusätzliche Tür einbauen.
Die Konstruktion war für mich insbesondere im Winter hilfreich, weil sie zusätzliche Stabilität gebracht hat.
Andere Camper lösen das anders. Manche bauen zusätzliche Abstützungen auf, andere nehmen im Winter die Front heraus.
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Vorzelt, Standort und der Nutzung ab.
Das Überdach – für mich später eine echte Erleichterung
Im dritten Jahr habe ich mich schließlich für ein Überdach über Wohnwagen und Vorzelt entschieden.
Für mich hat das einige Dinge deutlich einfacher gemacht.
Der Schnee liegt nicht mehr direkt auf dem Vorzelt. Dadurch brauche ich die zusätzlichen Winterabstützungen, die vorher jedes Jahr aufgebaut werden mussten, nicht mehr in derselben Weise.
Auch beim Thema Wärme bringt das Überdach für mich einen kleinen zusätzlichen Vorteil.
Ein weiterer positiver Punkt sind zusätzliche Türen hinter den Vorzelttüren. Dadurch kann ich den Bereich auch abschließen.
Natürlich ist ein normales Vorzelt kein wirklicher Einbruchschutz. Wer unbedingt hinein möchte, findet letztlich auch einen Weg. Mir ging es vor allem darum, den Bereich zusätzlich verschließen zu können.
Und auch im Sommer hat das Überdach einen angenehmen Nebeneffekt: Das Vorzelt bleibt etwas kühler.
Kälte und Frost – jetzt wird auch der Wohnwagen wichtig
Neben dem Vorzelt darf natürlich der Wohnwagen selbst nicht vergessen werden.
Heizung, Frostschutz und Wasserversorgung werden bei sinkenden Temperaturen zu wichtigen Themen.
Gerade beim Wasser sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen, denn Frost kann Schäden verursachen.
Wie ich persönlich mit dem Frostwächter umgehe, habe ich ausführlicher in meinem Beitrag „Der Frostwächter – kleines Zubehör mit großer Wirkung“ beschrieben.
Auch das Thema Wasserversorgung und Winterfestmachen des Wassersystems habe ich ausführlich in meinem Beitrag „Wasserversorgung – Teil 10: Winterfest – Wassersystem gegen Frost schützen“ behandelt.
Dort geht es wesentlich detaillierter um die technischen Aspekte. In diesem Artikel möchte ich deshalb nur daran erinnern, dass Frostschutz beim Wintercamping unbedingt zur Vorbereitung dazugehört.
Kürzere Tage verändern den Campingalltag
Im Herbst und Winter merkt man sehr schnell, dass die Tage kürzer werden.
Ausflüge und Spaziergänge sollte man deshalb etwas besser planen als im Sommer.
Gerade wenn man mit Hund unterwegs ist, spielt die Dunkelheit eine größere Rolle.
Eine gute Taschenlampe gehört für mich deshalb genauso zur Winterausrüstung wie eine vernünftige Beleuchtung am Wohnwagen.
Laternen, Lichterketten und andere Lichtquellen machen den Platz außerdem nicht nur praktischer, sondern auch gemütlicher.
Und genau das ist für mich ein wichtiger Teil des Wintercampings: Wenn es draußen früh dunkel wird, wird es drinnen umso schöner.
Was im Winter bei Stellplatz und Campingplatz wichtig wird
Nicht jeder Campingplatz ist im Winter genauso nutzbar wie im Sommer.
Manche Plätze schließen komplett, andere haben eingeschränkte Öffnungszeiten oder bieten bestimmte Einrichtungen außerhalb der Hauptsaison nicht an.
Deshalb würde ich vor einer Reise immer prüfen:
Ist der Campingplatz im gewünschten Zeitraum geöffnet?
Sind Stromanschlüsse verfügbar?
Wie sieht es mit Wasser und Entsorgung aus?
Sind die Sanitäranlagen geöffnet?
Gibt es Einschränkungen bei der Zufahrt?
Werden Wege bei Schnee und Eis geräumt?
Wie sieht die Versorgung mit Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung aus?
Gerade im Winter können solche Kleinigkeiten einen größeren Unterschied machen als im Sommer.
Mehr zum Unterschied zwischen Stellplatz und Campingplatz und zu den jeweiligen Vor- und Nachteilen findest du auch in meinem entsprechenden Beitrag.
Warm und gemütlich durch kalte Tage
Wintercamping funktioniert für mich vor allem dann gut, wenn man sich auf die Temperaturen einstellt.
Das fängt bei der Kleidung an.
Mehrere Schichten sind oft praktischer als eine einzige besonders dicke Jacke. Dazu warme Schuhe, Mütze und Handschuhe – und natürlich Kleidung, die auch bei einem längeren Spaziergang angenehm bleibt.
Auch im Wohnwagen gehört für mich Wärme einfach dazu.
Wenn es draußen kalt und vielleicht sogar ungemütlich ist, gibt es kaum etwas Schöneres, als nach einem Spaziergang wieder in den warmen Wohnwagen zu kommen.
Dazu eine Tasse Tee, Kaffee oder Kakao – und der Winter kann kommen.
Unsere Winterküche
Auch beim Essen darf es im Herbst und Winter gerne etwas deftiger werden.
Gerichte wie Gulasch, Eintöpfe, Kartoffel- oder Kürbissuppe gehören für mich genauso zur kalten Jahreszeit wie Kohlgerichte oder Chili.
Besonders praktisch sind Gerichte, die sich gut vorbereiten lassen und anschließend einfach aufgewärmt werden können.
Auch der Omnia ist dafür bei uns gerne im Einsatz.
Und natürlich darf etwas Warmes zu trinken nicht fehlen: Tee, Kaffee, Kakao oder ein alkoholfreier Punsch machen einen kalten Campingabend gleich noch gemütlicher.
Wintercamping mit Handicap
Wintercamping kann mit einer körperlichen Einschränkung zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen.
Meine beste Freundin ist je nach Strecke beispielsweise mit Rollator oder elektrischem Rollstuhl unterwegs. Dadurch schauen wir bei unseren Unternehmungen ganz anders auf die Umgebung als jemand, der einfach über jeden Weg laufen kann.
Gerade im Winter können Schnee, Eis, Matsch oder ungeräumte Wege schnell zu einem echten Hindernis werden.
Bei der Auswahl eines Campingplatzes oder Stellplatzes würde ich deshalb vorher ganz konkret nachfragen:
Sind die Wege eben und gut befahrbar? Gibt es bei Schnee oder Eis problematische Stellen? Werden alle Wege oder nur die Hauptwege geräumt im Winter? Wie weit ist der Weg zu den Sanitäranlagen? Ist der Stellplatz ausreichend beleuchtet?
Auch die Entfernung zu Einkaufsmöglichkeiten oder anderen wichtigen Einrichtungen kann eine Rolle spielen.
Für uns bedeutet das vor allem: flexibler planen, Pausen einbauen und akzeptieren, dass ein Ausflug bei schlechtem Wetter manchmal einfach nicht sinnvoll ist.
Wintercamping muss schließlich kein Wettbewerb sein.
Was ich heute anders machen würde
Wenn ich heute noch einmal ganz am Anfang stehen würde, würde ich einige Dinge früher bedenken.
Vor allem würde ich die Kombination aus Feuchtigkeit, geschlossenen Flächen und fehlender Belüftung nicht mehr unterschätzen.
Auch beim Vorzelt würde ich mir vorher genauer überlegen, wie es im Winter genutzt werden soll.
Soll es nur als Wind- und Wetterschutz dienen?
Soll dort tatsächlich gewohnt werden?
Soll es beheizt werden?
Oder braucht man eigentlich nur einen kleinen geschützten Bereich für Schuhe und Winterausrüstung?
Je nach Antwort kann eine ganz unterschiedliche Vorzeltlösung sinnvoll sein.
Und genau deshalb würde ich meine Erfahrungen auch nicht als allgemeingültige Anleitung verstehen. Mein Vorzelt hat sich über mehrere Jahre und durch meine persönlichen Anforderungen entwickelt.
Herbst- und Wintercamping kann wunderschön sein
Heute sehe ich die kalte Jahreszeit beim Camping ganz anders als früher.
Natürlich bringt sie Herausforderungen mit sich. Kälte, Frost, Feuchtigkeit, Schnee, kurze Tage und manchmal auch ungemütliches Wetter gehören dazu.
Aber dafür bekommt man etwas zurück.
Die Campingplätze sind ruhiger. Die Luft ist klar. Die Natur sieht anders aus. Und wenn man nach einem kalten Spaziergang wieder in den warmen Wohnwagen kommt, kann das unglaublich gemütlich sein.
Für mich gehört Wintercamping mit seinen mollig warmen Abenden im Wohnwagen deshalb inzwischen genauso zum Camping dazu wie die warmen Monate.
Auch kalte Tage können wunderschöne Campingtage sein.